AI Overviews senken die Klickrate um 58 % — neue Daten & DACH-Einordnung

Porträt von Ryan Law

Nach Autor Ryan Law

Director of Content Marketing, Ahrefs

August 5, 20269 Min. Lesezeit

AI Overviews senken die Klickrate um 58 % – was das für den DACH-Markt bedeutet

Seit Ende März 2025 erscheinen AI Overviews auch auf deutschen, österreichischen und Schweizer Google-Suchergebnisseiten – also auch bei dir, wenn du auf Deutsch googelst. Für SEOs im DACH-Raum ist das kein abstraktes US-Phänomen mehr.

Und die Zahlen, die hinter diesem Rollout stecken, sind eindeutig: Wo eine AI Overview (AIO) erscheint, bricht die Klickrate (CTR) für das erstplatzierte Ergebnis um 58 % ein. Das ist der Kernbefund unserer aktuellen Studie auf Basis von Daten aus dem Dezember 2025 – und eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem April 2025, als wir noch −34,5 % gemessen hatten.

Der Trend läuft genau in die Richtung, die wir damals prognostiziert haben: Je vertrauter Nutzer mit AI Overviews werden, desto seltener klicken sie weiter. Für DACH bedeutet das: Der Effekt, den US-amerikanische und britische Publisher seit über einem Jahr spüren, trifft jetzt auch den deutschsprachigen Markt – mit voller Wucht.

Methodik: Wie die Studie aufgebaut ist

Für die Studie wurden 300.000 Keywords aus der Ahrefs-Keywords-Explorer-Datenbank ausgewählt:

  • 150.000 Keywords, bei denen im Dezember 2025 eine AI Overview erscheint
  • 150.000 Keywords mit informationsorientierter Suchintention, aber ohne AI Overview

Für beide Gruppen wurden aggregierte Google-Search-Console-Daten herangezogen, um die durchschnittliche Desktop-Klickrate (CTR) pro Keyword und Monat zu berechnen — als Quotient aus Gesamtklicks und Gesamtimpressionen.

Verglichen wurden dann die Klickraten für Dezember 2023 (vor dem Rollout von AI Overviews) und Dezember 2025.

Randbemerkung


Hinweis zum Zeitraum: Der Vergleich umfasst zwei Jahre statt einem — weil Dezember 2024 schlicht schon nach dem Rollout der AI Overviews liegt und damit als Basis nicht taugt. Ein bisschen unglücklich, aber methodisch sauber.

Wichtig für die Einordnung: Die Datenbasis ist global und besteht überwiegend aus englischsprachigen Suchanfragen. Die Ergebnisse lassen sich nicht 1:1 auf den deutschsprachigen Markt übertragen — aber sie zeigen die Richtung, in die sich die Klickraten entwickeln, wenn AI Overviews im Spiel sind. Was das konkret für Deutschland, Österreich und die Schweiz bedeutet, schauen wir uns weiter unten an.

Globale Ergebnisse: Position 1 verliert mehr als die Hälfte der Klicks

Im Dezember 2023 lag die durchschnittliche CTR für informational Keywords auf Position 1 bei 0,076. Im Dezember 2025 ist sie auf 0,039 gesunken.

Für Keywords, bei denen eine AI Overview erscheint, sieht es noch drastischer aus: Die CTR fiel von 0,073 auf 0,016.

Randbemerkung


Hinweis: „AI-Overview-Keywords" sind hier Keywords, die im Dezember 2025 eine AI Overview ausgelöst haben. Im Dezember 2023 gab es diese Funktion noch nicht — diese Keywords verhielten sich damals wie ganz normale informationale Suchanfragen.

Um den reinen AI-Overview-Effekt zu isolieren, haben wir eine Hochrechnung erstellt: Wie hoch wäre die CTR für AIO-Keywords im Dezember 2025 gewesen, wenn es keine AI Overviews gäbe? Dazu haben wir den allgemeinen CTR-Rückgang bei informational Keywords als Baseline genommen. Das Ergebnis: eine prognostizierte CTR von 0,037.

Die tatsächliche CTR liegt bei 0,016 — eine Differenz von −58 %.

Konkret heißt das: Von 100 Klicks, die eine Seite auf Position 1 früher bekommen hätte, behält Google heute 58 für sich.

Warum sinkt die CTR auch bei Keywords ohne AI Overview?

AI Overviews sind die bisher wirkungsvollste Funktion in einer langen Reihe von SERP-Features, die Suchanfragen direkt auf Google beantworten — ohne dass Nutzer eine Website aufrufen müssen. Local Pack, Top Stories und allen voran Featured Snippets haben diese Entwicklung eingeleitet. Zero-Click-Suchen sind kein neues Phänomen; sie nehmen seit Jahren zu. AI Overviews beschleunigen den Trend, sind aber nicht die einzige Ursache.

Der Effekt trifft nicht nur Position 1

Rund 9 % aller AI Overviews erscheinen nicht auf Position 1, sondern weiter unten in den Suchergebnissen. Auch dort drücken sie die CTR — der Einbruch fällt zwar weniger dramatisch aus, ist aber messbar:

Position
CTR-Auswirkung
1
−58,0 %
2
−50,8 %
3
−46,4 %
4
−38,8 %
5
−32,6 %
6
−30,5 %
7
−29,7 %
8
−28,8 %
9
−29,7 %
10
−19,4 %

Selbst auf Position 10 — wo die CTR ohnehin schon niedrig ist — kosten AI Overviews noch fast ein Fünftel der Klicks. Ein schwacher Trost, aber immerhin einer.

DACH-Ergebnisse: Was heißt das für Deutschland, Österreich und die Schweiz?

Die CTR-Studie basiert auf englischsprachigen Daten — aber die Mechanik gilt genauso für den DACH-Markt. Seit Ende März 2025 sind AI Overviews auf Deutsch ausgerollt, und die Verbreitung im deutschen Google-Index zeigt: Das Thema ist längst kein englisches Problem mehr.

Wie weit sind AI Overviews in Deutschland verbreitet?

Wir haben uns die Zahlen aus dem Ahrefs Keywords Explorer genauer angeschaut (Land: Deutschland, Suchvolumen ≥ 100, Stand: August 2026):

Von 6.994.134 deutschen Keywords löst bereits fast jedes vierte eine AI Overview aus — genau 24,0 % (1.677.724 Keywords). Bei Suchanfragen mit informationsorientierter Intention steigt der Anteil auf 30,7 % (1.652.486 von 5.385.729 Keywords).

Das ist keine Kleinigkeit. Die −58 % CTR aus der globalen Studie gelten genau dort, wo eine AI Overview erscheint — und in Deutschland erscheint sie bei fast jedem dritten informational Keyword.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Suchvolumen-Bänder:

Volumen-Band
Keywords gesamt
davon mit AIO
Anteil
100–999
6.450.660
1.516.609
23,5 %
1.000–9.999
502.423
152.605
30,4 %
≥ 10.000
41.051
8.504
20,7 %

Mittelgroße Keywords im Bereich 1.000–9.999 Suchanfragen pro Monat sind am stärksten betroffen — genau die Volumen-Klasse, auf die viele Content-Strategien abzielen.

YMYL-Themen trifft es am härtesten

Noch deutlicher wird das Bild, wenn man nach Themenfeldern schaut:

Themenfeld
Keywords
davon mit AIO
Anteil
Gesundheit
16.728
12.711
76,0 %
Recht
1.283
800
62,4 %
Finanzen
9.106
4.91
53,9 %
Technik/Software
36.427
14.769
40,5 %
Reisen
20.778
7.096
34,2 %
Kochen/Rezepte
28.842
4.658
16,2 %

Drei von vier Gesundheits-Keywords in Deutschland lösen bereits eine AI Overview aus. Bei Recht und Finanzen sind es über 50 %. Das sind ausgerechnet die Themen, bei denen viel auf dem Spiel steht — für Nutzer und für Publisher.

Das deckt sich übrigens mit dem, was unsere monatliche DE-Top-50-Studie zeigt: Wer in deutschen AI Overviews zitiert wird und damit die verbleibenden Klicks bekommt, sind häufig etablierte Gesundheits- und Ratgeberportale. Wenn dich interessiert, welche Domains Google hier bevorzugt, lohnt sich ein Blick.

Was E-Commerce-Seiten (vorerst) aufatmen lässt

Es gibt eine gute Nachricht: 98,5 % aller deutschen AIO-Keywords sind informational. Transaktionale und kommerzielle Suchanfragen — also Produkt- und Kaufseiten — bleiben weitgehend AIO-frei. Wer ausschließlich E-Commerce betreibt, spürt den Effekt kaum. Wer aber auf Ratgeber-Content, Anleitungen oder Informationsartikel setzt, um Traffic in den Funnel zu ziehen, sollte genau hinschauen.

Der zeitversetzte Effekt

DACH hinkt dem globalen Rollout um mehrere Monate hinterher. Das bedeutet: Die Entwicklung, die englischsprachige SEOs seit Mitte 2024 beobachten, steht dem deutschen Markt noch bevor — oder ist gerade dabei, sich zu entfalten. Die Mechanik ist dieselbe, der Zeitplan ist nur verschoben. Wer jetzt versteht, was passiert, hat einen echten Vorteil gegenüber denen, die erst reagieren, wenn die CTR-Kurve in der Google Search Console nach unten zeigt.

Was du jetzt tun solltest

Die Zahlen sind eindeutig — aber Zahlen allein verändern noch nichts. Hier sind drei konkrete Schritte, die du jetzt angehen kannst, um deine Webseite für AIO fit zu machen.

1. Eigene Betroffenheit messen, bevor du Schlüsse ziehst

Bevor du irgendetwas änderst, solltest du wissen, wie stark AI Overviews dein spezifisches Keyword-Portfolio treffen. Das geht schneller als du denkst:

Öffne den Ahrefs Site Explorer, gib deine Domain ein und geh zu Organische Keywords. Setz dort den SERP-Features-Filter auf „KI-Überblick" — du siehst sofort, für wie viele deiner Rankings eine AIO erscheint und auf welchen Positionen.

Parallel lohnt sich ein Blick in die Google Search Console: Filtere nach informational Seiten und schau, wie sich die CTR über die letzten 12–18 Monate entwickelt hat. Ein sinkender CTR-Trend bei stabilen oder steigenden Impressionen ist ein klares Signal, dass AIOs Klicks abfangen.

Wenn du merkst, dass ein Großteil deines informational Traffics aus Bereichen wie Gesundheit, Recht oder Finanzen kommt: In diesen Themenfeldern lösen im deutschen Google-Index bis zu 76 % aller relevanten Keywords eine AIO aus. Die Betroffenheit ist dort keine Ausnahme, sondern der Normalfall.

2. Nicht nur für Rankings optimieren — sondern für Zitierbarkeit

Das Ziel verschiebt sich gerade: Es reicht nicht mehr, auf Position 1 zu stehen. Du willst auch in der AIO auftauchen — als zitierte Quelle, die trotzdem einen Klick bekommt.

Dafür lohnt es sich zu beobachten, welche Domains Google in deutschen AIOs bevorzugt zitiert. Ahrefs Brand Radar zeigt dir, wie sichtbar deine Marke in KI-generierten Antworten ist — und wo du gegenüber Mitbewerbern stehst. Wer zitiert wird, hat eine bessere Chance, auch mit AIO Klicks zu gewinnen.

Inhaltlich bedeutet das: klare, direkt beantwortbare Abschnitte, präzise Quellen-Angaben und Struktur, die es Google leicht macht, einen Ausschnitt deines Textes sinnvoll einzubetten.

3. Nicht in Panik verfallen — aber diversifizieren

Ein Rückgang von 58 % auf Position 1 klingt brutal. Und bei stark informationsorientierten Domains ist er das auch. Trotzdem: Transaktionale und kommerzielle Keywords sind von AIOs kaum betroffen — wer dort stark aufgestellt ist, spürt wenig davon.

Der konstruktive Weg aus der Abhängigkeit führt über Diversifizierung: andere Content-Formate (Newsletter, Video, Community), alternative Traffic-Kanäle und — wo sinnvoll — eine stärkere Fokussierung auf Keywords mit kommerziellem oder transaktionalem Intent. Zero-Click-Suche ist kein neues Phänomen; AIOs beschleunigen einen Trend, der mit Featured Snippets begann. Wer damals angepasst hat, weiß: Es geht nicht darum, Google den Rücken zu kehren, sondern darum, die eigene Abhängigkeit von einem einzigen Kanal ehrlich zu betrachten.

Fazit: Der Befund wird durch mehrere Studien bestätigt

Die Zahlen sind eindeutig: AI Overviews korrelieren mit einer um 58 % niedrigeren CTR für die Top-Position — und das ist kein Ausreißer-Befund einer einzelnen Analyse.

Andere Studien zeigen dasselbe Bild, mit bemerkenswert ähnlichen Größenordnungen:

Methodiken und Datensätze unterscheiden sich — aber die Richtung ist immer dieselbe. Wer auf Position 1 rankt und eine AI Overview erscheint, bekommt deutlich weniger Klicks als noch vor zwei Jahren.

Einordnung: Das ist kein neues Problem — nur ein größeres

AI Overviews sind nicht das erste SERP-Feature, das Klicks umleitet. Featured Snippets, Local Pack, Top Stories — die Zero-Click-Suche wächst schon seit Jahren. AI Overviews beschleunigen diesen Trend erheblich, sind aber sein vorläufiger Höhepunkt, nicht sein Ursprung.

Für den DACH-Markt bedeutet das: Der Effekt ist real und er ist bereits messbar — bei 24 % aller deutschen Keywords mit Suchvolumen und 30,7 % aller informationsorientierter Suchanfragen taucht inzwischen eine AI Overview auf. Wer stark auf Ratgeber-, Erklärungs- oder Informations-Content setzt, spürt das bereits oder wird es bald spüren.

Was das nicht bedeutet

Panik ist die falsche Reaktion. Ja, die Daten sind ernst zu nehmen. Aber Ranking und organische Sichtbarkeit haben trotzdem noch Wert — auch wenn ein Teil der Klicks ausbleibt. Und: Wer in AI Overviews zitiert wird, ersetzt einen Teil des verlorenen Traffics durch Markenbekanntheit und direkte Nennung im KI-Ergebnis.

Die sinnvollere Reaktion ist strukturiertes Handeln: eigene Betroffenheit messen, Inhalte auf Zitierbarkeit optimieren und informationale Inhalte nicht als einziges Standbein behandeln.

Der Befund dieser Studie ist kein Aufruf zur Panik. Er ist ein Aufruf, die Realität zu akzeptieren — und sich entsprechend aufzustellen.

Porträt von Ryan Law
Verfasst vonRyan Law

Ryan Law ist der Director of Content Marketing bei Ahrefs. Ryan verfügt über 13 Jahre Erfahrung als Autor, Content-Stratege, Teamleiter, Marketingleiter, Vizepräsident, CMO und Gründer einer Agentur. Er hat Dutzenden von Unternehmen dabei geholfen, ihr Content-Marketing und ihre SEO zu verbessern, darunter Google, Zapier, GoDaddy, Clearbit und Algolia. Außerdem ist er Romanautor und der Ersteller von zwei Content-Marketing-Kursen.